Willst du entspannter imkern, kommt es vor allem auf die Herkunft deiner Königin an: Wähle eine Königin aus einer auf Sanftmut selektierten Carnica- oder Buckfast-Linie, weisle dauerhaft stechlustige Völker um und arbeite bei gutem Wetter ruhig mit etwas Rauch. Sanftmut ist zu einem großen Teil vererbt – doch ehrlich bleibt: Kein Volk ist von Natur aus garantiert friedlich. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Zuchtlinie, Standort und deiner eigenen Arbeitsweise.
Wenn du seit vielen Jahren imkerst oder es einfach ruhiger angehen möchtest, ist ein sanftes Volk Gold wert: Du arbeitest gelassener, brauchst weniger Schutzkleidung, wirst seltener gestochen und kannst dir Zeit lassen. Die gute Nachricht ist, dass Sanftmut kein Zufall sein muss – die folgenden Abschnitte gehen die einzelnen Stellschrauben der Reihe nach durch.
Was Sanftmut wirklich bestimmt
Sanftmut ist eine vererbbare Eigenschaft, aber keine feste Garantie. Dasselbe genetische Material kann sich je nach Bedingungen unterschiedlich zeigen. Ein Volk, das im Frühjahr bei guter Tracht friedlich ist, kann in der Spättracht oder bei Futtermangel reizbarer werden. Auch Wetter, Volksstärke, Störungen am Stand und die Drohnen der Nachbarschaft spielen mit hinein.
- Genetik: Die Königin gibt die Grundveranlagung vor – ruhige Linien vererben ruhige Töchter.
- Standort: Trachtlücken, Räuberei, Erschütterungen (Rasenmäher, Weidevieh) oder viel Durchgangsverkehr können jedes Volk nervöser machen.
- Saison und Wetter: Schwül-gewittrige Tage, später Nachmittag und Futtermangel senken die Reizschwelle.
- Deine Arbeitsweise: Hektik, Erschütterungen und die falsche Uhrzeit provozieren selbst ruhige Völker.
Ruhige Herkünfte wählen – die Zuchtlinie zählt mehr als die Rasse
In Mitteleuropa gelten Carnica und Buckfast als die verbreitetsten sanftmütigen Herkünfte, und beide werden seit Generationen auf Sanftmut selektiert. Wichtiger als die Rasse selbst ist aber die konkrete Zuchtlinie: Eine sauber selektierte Königin von einem Züchter, der auf Sanftmut prüft und bewertet, bringt dir mehr Ruhe als ein zufälliger Schwarm unbekannter Abstammung. Kaufe deine Königinnen deshalb bei Züchtern, die Sanftmut ausdrücklich als Zuchtziel führen, und frag ruhig nach den Bewertungen der Elterntiere.
Ein aggressives Volk umweiseln
Bleibt ein Volk trotz guter Bedingungen dauerhaft stechlustig, ist Umweiseln der wirksamste Hebel. Weil die Königin die Erbanlagen der nächsten Bienengeneration bestimmt, verändert eine neue, sanftmütige Königin den Charakter des Volkes innerhalb weniger Wochen grundlegend – sobald ihre Töchter die alten Bienen ersetzt haben.
- Alte Königin entnehmen: Such und entnimm die alte Königin – das ist der Schritt, der Ruhe braucht.
- Sanfte Königin zusetzen: Setze eine Königin aus ruhiger Linie behutsam über einen Zusetzkäfig zu.
- Geduld: Rechne mit einigen Wochen, bis das Volk vollständig umgevolkt ist und sich der neue, ruhige Charakter zeigt.
- Hilfe holen: Fällt dir das Suchen der Königin schwer, bitte eine Imkerpatin oder einen Vereinskollegen um Unterstützung – gerade bei einem stechlustigen Volk ist die Arbeit zu zweit angenehmer.
Ruhig arbeiten: Rauch, Ruhe und das richtige Wetter
Selbst das sanfteste Volk reagiert auf grobe Handgriffe. Mit ein paar Gewohnheiten hältst du die Bienen ruhig und dich selbst entspannt:
- Den richtigen Moment wählen: Warme, sonnige Vormittage bis früher Nachmittag, wenn viele Flugbienen unterwegs sind. Meide schwüle, gewittrige Tage.
- Rauch sparsam, aber rechtzeitig: Zwei, drei Stöße ins Flugloch und unter den Deckel, dann kurz warten. Rauch beruhigt, wenn du ihm Zeit lässt.
- Langsam und ruhig: Keine hastigen Bewegungen, keine Erschütterungen, kein Quetschen von Bienen – gequetschte Bienen setzen Alarmduft frei.
- Rähmchen behutsam ziehen: Mit dem Stockmeißel lösen, gerade herausheben, die Bienen nicht an der Wabe abrollen.
Kleine Anpassungen, die dir das Imkern leichter machen
Entspannt imkern heißt auch, dir die Arbeit körperlich zu erleichtern. Segeberger- oder andere Styropor-Zargen sind deutlich leichter als vergleichbare Vollholzbeuten – das macht sich bei jedem Heben und Umsetzen bemerkbar. Weitere praktische Kniffe: Arbeite in bequemer Höhe (Beuten auf Böcken oder Paletten), setze auf kleinere Zargen oder Halbzargen, wenn dir volle Honigräume zu schwer werden, und plane Durchsichten so, dass du nie allein schwer heben musst.
Weniger im Kopf behalten, mehr genießen
Apiara imkert nicht für dich – aber sie merkt sich, welches Volk zickt und wann du zuletzt umgeweiselt hast, mit großen Bedienelementen und großer Schrift. Imkern im Alter mit Apiara.